In vielen Fällen wurde in den 1950er Jahren die Gelegenheit des Wiederaufbaus von im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadtkernen genutzt, um „Fußgängerzonen“ als wesentliches Element modernen Städtebaus zu planen und einzurichten. Damit wurde ein Konzept umgesetzt, das einerseits Verkehr, Einkaufen und Wohnen räumlich trennt, andererseits aber auch eine Trennung der Verkehrsströme gewährleistet.

Fußgängerzonen sind ein Bestandteil autogerechter Stadtplanung, indem sie Fußverkehr vom motorisierten Individual- bzw. öffentlichen Verkehr trennen und zusammen mit der Errichtung von Parkhäusern, Parkleitsystemen sowie auch unterirdisch geführten Bahnen (die Entwicklung der sogenannten Stadtbahn fällt ebenfalls in diese Zeitperiode) die einzelnen Verkehre ordnen und qualitativ optimieren. Einkaufen sollte in Fußgängerzonen stattfinden, sie wurden zu einem Symbol prosperierenden Wirtschaftslebens und vielerorts zum zentralen Ort des Massenkonsums. Insbesondere in mittleren und größeren Städten fanden sich dort neben Fachgeschäften und anderen Betriebsformen des Einzelhandels auch große Kauf- und Warenhäuser.

Die Verbreitung von Fußgängerzonen ist weitgehend auf Europa beschränkt geblieben. So gibt es in Deutschland heute in vielen Groß-, Mittel-, und Kleinstädten Fußgängerzonen, während in den Vereinigten Staaten von den vor allem in den 1960er Jahren geschaffenen Fußgängerzonen nur wenige übrig geblieben sind.

Für Aufsehen sorgte 2009 der Plan des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg, zeitweise Teile des berühmten Broadway zur Fußgängerzone zu erklären. So wurden sowohl auf dem etwa 500 Meter langen Abschnitt zwischen 42. und 47. Straße, der auch den Times Square umfasst, als auch zwischen 33. und 35. Straße die Durchfahrt für Fahrzeuge zeitweilig verboten. Bei Taxifahrern und Zulieferern stieß der Plan auf Widerstand. Aufgrund der positiven Erfahrungen wurde die Fußgängerzone jedoch beibehalten.

In Deutschland sind Fußgängerzonen heute in Klein- und Mittelstädten umstrittener denn je. Mit zunehmender Digitalisierung verlieren sie ihre ursprüngliche Berechtigung mehr denn je. Ja, bei rückläufiger Frequenz und dem Niedergang des stationären Handels verlieren Fußgängerzonen bisweilen vollkommen ihre Bedeutung und leisten so der Banalisierung und Verödung der Innenstädte geradezu Vorschub.

Bleiben also fundamentale Fragen wie beispielsweise:

  1. 1. Was ist die Alternative zu Einzelhandels-besetzten Fußgängerzonen?
  2. 2. Welche neuen Funktionalitäten können Innenstädte tatsächlich erfüllen?
  3. 3. Wie lassen sich Infrastruktur und Aufenthaltsqualität von ehedem belebten Fußgängerzonen dennoch aufrecht erhalten?